Indessen sein Erbauer auf Reisen gegangen
Ihm Scham zu ersparen, dürfte Fidus bei seinem Besuch 1907 auf dem Monte Verità nicht schwergefallen sein, da Gusto Gräser damals wahrscheinlich nicht in Ascona war (vgl. Heiliges Gemeinschaftsmal mit Wurst und Schinken). In Eine Schweizerreise im Naturkostüm beschäftigt sich Theodor Stern ausführlich mit “der Naturmenschenfamile Gräser”, den drei Brüdern Karl, Gustav und Ernst Gräser sowie ihrer Mutter. Über Gusto schreibt er:
Gusto, gross und stattlich, der schönste der drei, der überall Aufsehen erregt, wo er mit seinem wallenden Haar und Mantel erscheint, dabei einfach wie die andern, wenn auch etwas theatralischer, hat sich im letzten Jahre mit Schiffsbau beschäftigt und ein schönes und wie man sich denken kann hochoriginelles Boot gebaut. Es hängt unten am See unter einer Torwölbung an der Luft, indessen sein Erbauer auf Reisen gegangen und alles stehen gelassen, als ob er sich eben entfernt; da liegen noch die Werkzeuge, die er benützt und da steht auch sein Lager, da er Tag und Nacht hier hauste. Merkwürdigerweise wird ihm nichts gestohlen, die Askonesen mögen ihn gut leiden, wenn sie auch nicht an sein Schiff glauben, sondern behaupten es werde nicht schwimmen. Es wird sich zeigen, wenn der Stapellauf stattfindet, und ob es G. Gräser wirklich ernst ist mit seinem Plan, das Boot als sein Wohnhaus zu benützen und darin die Welt zu bereisen. [1]
- Gesundheit, 10. Jahrg., 17. August 1909, Nr. 16, S. 196f. [↩]
Letzte Änderung: 14. November 2008



