Fidus-Projekt

Kunst und Lebensreform

Anfangs etwas bänglich zu Mute

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Über seinen Besuch auf dem Monte Verità 1907 fasst sich Theodor Stern in Eine Schweizerreise im Naturkostüm kurz:

Den “Monte Verità”, ursprünglich eine vegetarische Colonie, nun ein vegetabilisches Sanatorium (wo es nur Vegetabilien, also keine Milch und Eier gibt), hatte ich schon vor drei Jahren besucht. Sehr schön gelegen und den Langensee, soweit es von seinem Nordende möglich, beherrschend, hat doch die Landschaft für mich etwas eintöniges, schweres, fast düsteres. Leider war der Besitzer, Hr. Oedenkoven, mit seiner Frau eben abwesend. Dafür wurde ich von seinem Stellvertreter, Hr. de Beauclair, auf’s freundlichste empfangen und in das Anstaltsleben eingeführt. Das Mittagessen, das man sich in etwas umständlicher Weise schriftlich bestellt, schmeckte recht gut und bestand aus verschiedenen rohen Früchten und Salaten, gekochtem Gemüse und Nüssen mit Brot. Mir sagten besonders die frischen Feigen mit Zitronensaft und Zucker gegessen sehr zu. Wer natürlich aus seiner gewöhnlichen Lebensweise an diesen Tisch kommt, dem wird anfangs etwas bänglich zu Mute und es ist nicht zu verwundern, wenn manche gleich wieder Reiβaus nehmen. Andere aber fühlen sich, wenn sie einmal den ersten Schrecken überwunden haben, sehr wohl dabei und werden mancherlei Gebrechen los. Auβer der Diät wird natürlich das Luft und Sonnenbad mit den dazugehörigen Wasseranwendungen gepflegt, wofür ausgedehnte Anlagen zur Verfügung stehen. [1]

  1. Gesundheit, 10. Jahrgang, Nr. 16, 7. August 1909, S. 194. []

Letzte Änderung: 29. April 2009


Verfasst von Edi Goetschel

November 17th, 2008 at 10:15 am



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