Impressionismus der Empfindung

Photographische Farben.
Der Teil Photographische Farben und Liebhaberkünste des Katalogs der Günther Wagner enthält Farben für die Retouche von Negativen und Positiven sowie das Bemalen von Fotografien, Diapositiven und Ansichtskarten, Klebemittel für Fotografien, Farben für Malerei auf Glas und für Diapostive sowie Farben zum Bemalen gebrannter Holzgegenstände, Bronzefarben und Farben zur Spritzmalerei.
So unschuldig und selbstverständlich auf den ersten Blick Fidus den Fotografen und sein Modell zeigt, so grosse Schwierigkeiten bekundete er selbst mit der Fotografie. In den Kleinen Lebenserinnerungen schreibt er, dass er eine kleine Delta-Kamera, die er von Wilhelm Hübbe-Schleiden bekommen habe, verschenkte, weil er es für besser erachten würde, mit eigener Hand einprägsame Studien zu machen, als mit einem Apparat oberflächliche. Und er verweist auf das Vorwort zu seiner Mappe Lebenszeichen, wo er sich dafür ausgesprochen habe, dass der Künstler nur wie aus dem Stegreif gestalten dürfe, nicht mit fotografischem Naturalismus, weil auch der gewöhnliche Beschauer so schaue, verstehe und urteile.
Wie im Begleitblatt zur den Illustrationen für den Katalog der Günther Wagner rechtfertigt sich Fidus im Text zur 1908 erschienen Serie:
Ich wende mich als Mensch zu Menschen und nicht an Fachsimpler. Ich will verstanden und nicht kritisiert werden. Mir kommt es auf Deutlichkeit der Mitteilung und innere Schönheit der Sache an, und da ich mich ans Gefühl wende, kann ich, ja darf ich nicht über eine unwillkürliche Sprache hinausgehen. Man muß fühlen, daß die Formen aus dem Stegreife des Gedächtnisses, aus dem Innenleben und nicht aus einem gleißenden Studien-Arsenal geholt find. Der Darsteller des Seelischen sollte geben, wie die Seele aufnimmt, ohne Wissenschaftlichkeit. Der naive Betrachter kennt die Dinge auch nur aus einem Gedächtnisse heraus, das mehr an das Wesentliche und Gefühlte anknüpft, als an die objektiven Formen und deren zufällige Veränderungen; geradezu stören würde in seelischer Mitteilung eine Koketterie mit “Richtigkeit” und “Können”, welche beiden Eigenschaften doch selbst in Kennerkreisen jeweils strittig waren.
Daraus leitet er schmollend seinen Anspruch ab: “Hier gestatte man auch mir einen Impressionismus, aber einen der Empfindung und nicht des irgendwie absichtlichen ‘Sehens’.”
Letzte Änderung: 21. Oktober 2009


