Weitere Mittelalter-Zitate
Eine weitere Illustration, die auf das Mittelalter oder Kunst aus dem Mittelalter Bezug nimmt, ist das Blatt Tinten, das in der Preisliste der Günther Wagner keine Verwendung fand.
Die Anleihen bei Albrecht Dürers Kupferstich Melancolia I sind offensichtlich: die Figur der sinnierenden Frau (deren wehendes Gewand bei Fidus die Form des Flügels der Dürer-Gestalt aufnimmt, zudem hat Fidus das Flügel-Motiv im Rahmen aufgenommen), das liegende Tier (bei Fidus eine Katze, bei Dürer ein Hund), die Putten (bei Dürer sitzt ein Putto schreibend oder zeichnend neben der Engelsfigur auf einem Mühlstein in der Bildmitte) der geheimnisvolle Polyeder (bei Fidus als kleines Objekt, vielleicht ein Briefbeschwerer auf dem Schreibpültchen) oder die Verbindung von Figur und Titel des Bildes (bei Fidus durch den Rahmen, bei Dürer trägt eine Fledermaus ein Spruchband mit dem Titel des Werks). [1]
- Einstiege zu Dürers Stich bieten die Einträge Melancolia I und Rhomboederstumpf (Dürer-Polyeder) in der deutschsprachigen Wikipedia. [↩]
Letzte Änderung: 20. März 2010





Dürers originale Melencolia-Überschrift lautet:
Melencolia§I Dabei handelt es sich um das Anagramm für Cameleon § LI I:
1. Mit ‘Cameleon’ übernimmt Dürer die von Pico della Mirandola in der Rede über die Menschenwürde, 1486, verwendete Bezeichnung für den Menschen, der nicht nur die Farbe, sondern auch den Charakter wechseln könne;
2. LI ist der Hinweis auf Kapitel 51 im 8. Buch der Naturalis Historia von Plinius d. Ä. (23-79): Cameleon;
3. I, deutsche Schreibweise EINS, ist Tetragramm: GOTT
Dr. Ernst Th. Mayer
1 Apr 10 at 17:03
So ist es richtig.
Literaturhinweis: Richter, L.: “Unser Chamäleon”. Die Weltchiffre des Menschen bei Pico della Mirandola und Albrecht Dürer, in: W. Schrader et al. (Hrsg.) Perspektiven der Philosophie, Neues Jahrbuch. Bd. 33, S. 305-392, Amsterdam, New York: Editions Rodopi.
Dr. Ernst Th. Mayer
1 Apr 10 at 17:11
Noch ein Vorschlag zur Berichtigung des Textes:
Nicht eine “Fledermaus” oder ein “fledermausähnliches” Flugtier trägt Dürer’s “Melencola § I” Original-Titel – man sollte einmal einen speziellen Zoologen fragen -, sondern der gelegentlich feuerspeiende Alchemie-Drache. Dieses auch “Ouroboros-Ring-Drache” genannte Fabeltier, das sonst als Fresser des eigenen Schwanzes, als Symbol der Ewigkeit, dargestellt wird, flieht hier auf Dürer’s Kupferstich B74 vor dem Licht Gottes und hat zum schnelleren Fortkommen nach links, seinen Ring nur vorübergehend geöffnet.
Dr. Ernst Th. Mayer
3 Apr 10 at 15:44
Literaturhinweis:
Mayer, Ernst Th.(2009): Melencolia § I – der “angelo terrestre” und sein gleichzeitiges doppeltes Sehvermögen. Befunderhebung aufgrund der visuellen Geometrie von Dürers verschlüsseltem Selbstbildnis (1514). Musik-,Tanz- und Kunsttherapie, 20 (1), 8-22. Hogrefe Verlag Göttingen 2009.
Dr. Ernst Th. Mayer
3 Apr 10 at 15:48
Noch ein Hinweis zu dem “Briefbeschwerer auf dem Schreibpültchen”: Das ist m. E. doch ein Polyeder wie das (an das Neutrum muss man sich gewöhnen) bei Dürer, das er nicht errechnet, sondern geometrisch, wahrscheinlich aus dem Quadrat, ermittelt hat.
Mit Prof. Gille/München habe ich es im “kartesischen Koordinatensystem” (was es zur Dürer-Zeit noch nicht gab) rechnerisch ermittelt für die Zentriwinkel 72° und 76°. Das Dürer-Original liegt dazwischen. Es hat zum Grundriss das Hexagramm aus den 2 gleichseitigen Dreiecken(oben u. unten) und bildet mit dem Um-Quadrat den Zehn-Sefiroth-Lebensbaum der Gikatilla-Kabbala.
Dr. Ernst Th. Mayer
6 Apr 10 at 19:41
Schreibweise “Cameleon” so nur in der Vulgata, 3. Mose
(Leviticus) Kapitel 11, Vers 30
(Luther übersetzt hier unzutreffend: “Maulwurf”).
Dr. Ernst Th. Mayer
12 Jun 10 at 17:05
Das abschließende Ergebnis meiner Bildanalyse:
Dürers Bildtitel Melencolia § I ist das Anagramm für
‘Cameleon § 51 I‘ und lautet MENSCH GOTT. Darunter kommt ein weibliches Selbstbildnis Dürers als „angelo
terrestre“(nach Picos Commento, 1486) bei Meditation ‘Miseria-nostra – Misericordia-Dei’ zur Darstellung mit himmelwärts gerichtetem Blick (nach Rosetum Joh. Mauburnus, 1494, Bl.132b re. Z.12) in Vorbereitung auf eine Gottes-Begegnung nach der devotio moderna. Martin Luther (WA 3. Bd.,1885, S. 21) gibt etwa zur Melencolia-Entstehungszeit die bildhafte Definition spätmittelalterl. Passions-Meditations-Frömmigkeit ,Meditari est pulsare cum Mose hanc petram‘ – frei übersetzt: Meditation ist: mit Moses am Jesus-Stein [1.Kor.10,4] um Lebens-Wasser anklopfen [Mt. 7, 7] – nach Christus: nicht schlagen (percutere)-”klopfen”!
Dr. Ernst Th. Mayer
5 Okt 10 at 20:44
Das abschließende Ergebnis meiner Bildanalyse:
Dürers Bildtitel Melencolia § I ist das Anagramm für
‘Cameleon § 51 I‘ und lautet MENSCH GOTT. Darunter kommt ein weibliches Selbstbildnis Dürers als „angelo
terrestre“ (nach Picos Commento, 1486) bei der Meditation ‘Miseria-nostra – Misericordia-Dei’ zur Darstellung mit himmelwärts gerichtetem Blick (nach Rosetum Joh. Mauburnus, 1494, Bl.132b re. Z.12) in Vorbereitung auf eine Gottes-Begegnung nach der devotio moderna. Martin Luther (WA 3. Bd.,1885, S. 21) gibt etwa zur Melencolia-Entstehungszeit die bildhafte Definition spätmittelalterl. Passions-Meditations-Frömmigkeit ,Meditari est pulsare cum Mose hanc petram‘ – frei übersetzt: Meditation ist: mit Moses am Jesus-Stein [1.Kor.10,4] um Lebens-Wasser anklopfen [Mt. 7, 7] – nach Christus: nicht schlagen-percutere: klopfet an, so wird euch aufgetan
Dr. Ernst Th. Mayer
5 Okt 10 at 20:53
Bitte beim endgültigen (unteren) Text “angelo an terrestre” a n h ä n g e n und in der letzten Zeile nach percutere , sondern einsetzen.
Mit freundlichen Grüssen.
Dr.E.Th.M.
Dr. Ernst Th. Mayer
5 Okt 10 at 21:03