Fidus-Projekt

Kunst und Lebensreform

Die Arme in bitt’rer Ruh’ verschränkt

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Der “Protoptyp” zu Grollender Lucifer erschien bereits 1892 im September-Heft der Zeitschrift Sphinx als Kunstbeilage von Fidus mit dem Titel Der verlorene Sohn, in der Inhaltsübersicht aufgeführt als Der verlorene Sohn (Lucifer). [1] Eine Beschreibung und Deutung davon gibt ein Gedicht Der verlorene Sohn (Lucifer) von Karl Friedrich Jordan, das in der Dezember-Nummer folgte. [2] Darin heisst es:

Ein Engel ist’s,
denn Flügel schmücken den Leib;
aber sie hängen schwarz und traurig hernieder,
und dunkler Locken Fülle
umwellt das Haupt,
das auf die Brust geneigte.

Wer bist Du, schweigender Bote? -
So schwermutsvoll zur Tiefe blickend,
die Arme in bitt’rer Ruh’ verschränkt,
ohne Schwert und Schild
und schmetternder Posaune -
so hat der Himmel dich nicht gesandt,
so kannst du nur der ewigen Nacht, dem Ort des Grauens
entstiegen sein.

Ein gefallener Engel,
Vom Vater im Himmel
im Zorn einst verworfen,
so schwebst Du im Dämmern
des herbstlichen Abends,
Lucifer, über der Erde. -

Nun krampft sich wohl dein Herz zusammen,
nun zuckt dein Mund in wildem Weh,
nun quillt in tiefer Brust
verzehrende Reue dir auf
und nach Erlösung, nach sel’ger Erlösung
lechzt der verlorene Sohn.

  1. Sphinx, Bd. 14, September 1892, Nr. 79. gegenüber S. 256. Online: Sphinx Band 14, 1892. []
  2. Sphinx, Bd. 15, Dezember 1892, Nr. 82, S. 102-103. Online: Sphinx, Band 15, 1892/93. []

Letzte Änderung: 22. Januar 2011


Verfasst von Edi Goetschel

Januar 22nd, 2011 at 2:18 pm



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