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Ulrich Wilhelm Züricher
Das als eigene Website begonnene Projekt über den Maler, Graphiker und Schriftsteller Ulrich Wilhelm Züricher, der mit Fidus befreundet war, habe ich in das Fidus-Projekt inetrgiert. Nicht, dass dadurch der Person und dem Werk von Züricher weniger Aufmerksamkeit geschenkt werden sollen, sondern weil es angesichts etwa ihrer gemeinsamen Bekannten einfacher ist zusammenzubringen, was zusammengehört.
Zeit und Ewigkeit als Waren
Jean Nouvels Monolith, wie die Arteplage in Murten hiess, obwohl er weder aus Stein noch aus einem Stück war, drängte sich als Fotosujet, dessen Gelingen garantiert ist, geradezu auf und hat wohl bewusst seine Vervielfältigung und Verewigung thematisiert, aber auch seine Vermarktung. Davon und der bedeutungsvollen Verlängerung in die Geschichte der Schweizer Kunst durch die Anspielung auf Arnold Böcklins Die Toteninsel profitiert der Autofotograf René Staud bei seiner Aufnahme Monolith in Water für die Aston Martin Art Collection.
Dabei lässt Staud das Fahrzeug, das in einer seltsamen “Doppelrolle” von Protagonist, aber auch gewissermassen architektonischem Gegenstück zum Nouvel-Bau gezeigt wird, nicht nur an der Aura der Kunst teilhaben, die Kostbarkeit, Meisterschaft und Zeitlosigkeit zu garantieren scheint, sondern macht es ebenso zum Teil des Bildes, wie es ein Fremdkörper, ein Gegenstand aus einer anderen Welt ist (ähnlich der Ambivalenz des Ruderboots, das sowohl Teil der Zwei- wie der Dreidimensionalität ist und so den Übergang von der einen in die andere Dimension erlaubt, vgl. dazu Die Toteninsel als Filmschauplatz). In der ins Blau der Sehnsucht eingetauchten Weite bleibt das im Gegensatz zum rostigen Würfel geschmeidig gestaltete Fahrzeug aus wahrscheinlich glänzendem Chrom so unnerreichbar wie die Toteninsel, die letztlich nur ein illusionärer Ort ist.
Die surreale Inszenierung kann allerdings auch banal gegen den Strich gelesen werden. Etwa als Sinnbild für die Unmöglichkeit, mit dem Auto, auch wenn es noch so luxuriös ist, in eine andere, transzendente Welt zu gelangen, Stillstand und Rost als Mahnmal für das zukünftige Schicksal des Objekts der Begierde, die unterkühlte, menschenleere Szenerie als Vision des Siegs der seelenlosen Technik über das Leben, das Gefährt, das das Boot zur Überfahrt auf die Toteninsel ersetzt, aber nicht ersetzen kann, als verführerische Todesmaschine.
Selbstverständlich sieht das der Autohersteller anders. Auf der Website der Aston Martin Art Collection wird erläutert:
The true value of a work of art lies in the unique relationship between the art itself, its creator and ultimately its owner.
“It is the same with an Aston Martin. Each car is made to a unique specification that reflects the personality of its owner – the car itself, is an expression of its owner’s life and loves.”
Zeit und Ewigkeit als Waren.
Die Toteninsel als Filmschauplatz
Immerhin hat es Arnold Böcklins Die Toteninsel zum Filmschauplatz geschafft.
In dem von Val Lanton produzierten kammerspielartigen Schwarzweissfilm Isle of the Death mit Boris Karloff aus dem Jahre 1945 werden der Anlegeplatz des Ruderboots, die dunkle Grabkammer in der linken und ein Haus in der rechten Bildhälfte sowie das Zypressenwäldchen, das sie trennt und verbindet, zur einer traumhaften Szenerie, die den Zuschauern und Zuschauerinnen ebenso vertraut ist wie sie letztlich unheimlich, unwirklich und unfassbar bleibt. Dies auch, weil sie verfremdet immer als gemalte, zerbrechliche Kulissenwelt wahrgenommen wird.
Böcklin selbst ist als Bild in seinem Bild durch das bekannte Selbstbildnis mit fiedelndem Tod präsent und schaut so gewissermassen wie durch ein Fenster von der anderen Seite der Wirklichkeit, in diesem Falle gleichzeitig in und aus einer Welt jenseits der Scheinwelt des Films, der Welt der Kunst als Sphäre der Verewigung auch in die (inszenierte) Wirklichkeit.
Nicht weniger vetrackt ist die Situation in The Tales of Hoffmann, der Verfilmung von Jacques Offenbachs Oper von Michael Powell und Emeric Pressburger aus dem Jahre 1951 (bei YouTube in 12 Teilen unter The Tales of Hoffmann).
Der Telepolis-Autor Hans Schmid führt dazu aus:
Im 3. Akt gibt es eine kleine Studie zur Verunsicherung des Publikums im Horrorfilm durch das Spiel mit zweiter und dritter Dimension. Auf der flächigen Kinoleinwand fährt ein scheinbar dreidimensionaler E. T. A. Hoffmann in einem Boot auf ein gemaltes, zweidimensionales Bühnenbild zu, eine von Hein Heckroth geschaffene Variation auf Arnold Böcklins Gemälde “Die Toteninsel” – ein Bühnenbild, das doch dreidimensional zu sein scheint, weil man die Insel betreten kann (oder auch: zu dem der Held Zugang hat, weil er das zweidimensionale Abbild des in einer dreidimensionalen Welt lebenden Hoffmann-Darstellers ist).
Das in Böcklins Gemälde hineinfahrende Boot ist ein doppeltes Zitat. In Val Lewtons Isle of the Dead (1945) trägt die in die Fläche des Bildes führende Bootsfahrt Boris Karloff in die Tiefe des Raumes. Bei Powell wird das Ganze noch komplizierter, weil uns, den Zuschauern, durch Hoffmanns Landung auf der Insel bewusst wird, dass wir von Anfang an Teil des gemalten Bühnenbildes waren. Den festen Standpunkt kann es so nicht geben. [1]
Wie in Isle of the Death durchweben sich die in einer artifiziellen Wirklichkeit spielende Geschichte mit der verführerischen Welt der Illusionen und der Sphäre des Übersinnlichen. Wobei die Künstlichkeit im Farbfilm weitaus grösser ist als beim Schwarzweissfilm. Die Szenen wirken wie die zum Leben erweckten Szenen eines Bilderbuchs (die Einleitung zur Szene bildet ein Foroalbum oder ein Programmheft mit Schwarzweissfotos und einer Zeichnung der Insel). Dasselbe geschieht auf einer weiteren, “räumlichen” Ebene mit den Skulpturen im Bild, die scheinbar oder tatsächlich, was nicht auszumachen ist, zum Leben erweckt werden.
Auch in The Tales of Hoffmann findet sich übrigens eine Anspielung auf Böcklins Selbstbildnis mit fiedelndem Tod und damit ein weiteres Zitat von Isle of the Death.
- Hans Schmid, “Das Königreich in Gefahr: Spione, Horror-Comics und der Klebstoffmann”, in: Telepolis, 19. Juni 2010. [↩]
Ein verkitschtes Kunstwerk
Es ist erstaunlich, das Arnold Böcklins Die Toteninsel als touristische Sehenswürdigkeit nicht tatsächlich gebaut worden ist. Beispielsweise als Böcklin-Gedenkstätte oder -Museum. Wie überhaupt Kunst-Freizeitparks mit begehbaren Motiven beliebter Gemälde als Attraktionen möglicherweise eine Marktlücke darstellen.
Bis Die Toteninsel für die Seebüne der Bregenzer Festspiele nachgebaut wird, ist es wohl nur eine Frage der Zeit. Für die diesjährige Inszenierung der Oper André Chénier wurde mit Der Tod des Marat von Jacques-Louis David erstmals ein historisches Gemälde als Vorlage verwendet. Der Bühnenbildner David Fielding spielt dabei zudem mit dem Toteninsel-Effekt. So schreibt Gerhard R. Koch in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zur Tribunalszene, dass der Sensenmann umgehe und als Fährmann fungiere: “Böcklins ‘Toteninsel’ liegt im Bodensee.” [1]
Die Minimal-Art-Version der Toteninsel ist beziehungsweise war die Arteplage für die Schweizerische Landesausstellung Expo.02 von Jean Nouvel. Gemäss dem Motto “Augenblick und Ewigkeit”, stand, mit den Worten von Martin Heller, dem künstlerische Direktor der Expo.02, “der Monolith wie ein Vorposten der Ewigkeit im See vor Murten”. Auf den ersten Blick ein massiver Kubus, handelt es sich bei dem Würfel aus rostendem Stahl doch wie das Bühnnenbild in Bregenz bloss um ephemere Architektur. In einem Interview verweist Heller selbst auf die mit ihm verbundenen Widersprüche:
Jean Nouvel bezieht sich offen auf die “Toteninsel” von Böcklin, und ein verkitschteres Kunstwerk als diese “Toteninsel” gibt es kaum. Darum glaube ich: Diese Ästhetik wirkt durch die Art und Weise, wie sie gemacht ist und wie sie durchsetzt ist mit den Banalitäten des Festes – die Restaurants darin werden von einzelnen Konzessionären geführt, die sich nicht alle auf Jean Nouvel trimmen lassen. [2]
Bild Bregenz: Bregenzer Festspiele, Bild Murten: Roland Zumbühl, picswiss.ch.
- Gerhard R. Koch, Aufs Rad der Fortuna geflochten, 25. Juli 2011. [↩]
- Ludwig Hasler, Interview mit: Martin Heller, Persönlich, Mai 2002. [↩]
Monsalvat Verlag
Das angekündigte Büchlein über die Illustrationen für eine Preisliste der Farbenfabrik Günther Wagner, die Fidus 1904 in Zürich gezeichnet hat, ist eigentlich bereit zum Druck. Doch im letzten Moment habe ich mich entschlossen, es nicht bei Books on Demand zu veröffentlichen.
Zum einen konnte ich mir keine Klarheit verschaffen in Bezug auf die Qualität. Die Diskussionen im Internet darüber sind widersprüchlich. Die einen sind begeistert, die anderen ärgern sich über den schlechten Druck, falsch zusammengesetzte Bücher oder die mangelhafte Klebung.
Zum andern, und das war letztlich ausschlaggebend, ist der Vertrag mit Books on Demand äusserst problematisch. So muss der Autor oder die Autorin beisdpielsweise Books on Demand das Recht einräumen, einen Titel “unter Wahrung der nicht abdingbaren Urheberpersönlichkeitsrechte zu kürzen, zu bearbeiten oder in sonstiger Weise umzugestalten, z. B. für die Herstellung von ‘abstracts’ (Kurzzusammenfassungen und -beschreibungen) und für die Herstellung von ‘enhanced ebooks’ (um multimediale und interaktive Elemente angereicherte E-Books).” [1] Was die Zusammenfassungen und Beschreibungen betrifft, ist die Vertragsklausel harmlos und nachvollziehbar, abgesehen davon, dass sie wahrscheinlich sowieso erlaubt sind, bei den “enhanced ebooks” als interessante zukünftige Entwicklung geht sie entschieden zu weit.
Ich habe mich deshalb entschlossen, die Publikation selber herauszubringen. Das und mein Bedürfnis, nachdem ich 25 Jahre als Mitarbeiter in der Bibliothek und im Archiv der Forschungsabteilung eines Industribetriebs meinen Lebensunterhalt verdient habe, meinen nebenberuflichen Beschäftigungen eine offizielle Form mit Handelsregistereintrag, Website und Visitenkarten zu geben, hat dazu geführt, dass ich den Kleinverlag Monsalvat gegründet habe (weitere Informationen dazu sind unter Monsalvat Verlag zu finden).
Das Fidus-Büchlein, das erste in einer Reihe von Veröffentlichungen, die sich mit dem Werk des Künstlers beschäftigen sollen, erscheint nun im August oder spätestens im September.
- Der gut versteckte Vertrag ist zu finden unter http://www.bod.de/hilfe.html?cmd=CONTENT&pid=937&title=vertraege. [↩]









