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Ein verkitschtes Kunstwerk
Es ist erstaunlich, das Arnold Böcklins Die Toteninsel als touristische Sehenswürdigkeit nicht tatsächlich gebaut worden ist. Beispielsweise als Böcklin-Gedenkstätte oder -Museum. Wie überhaupt Kunst-Freizeitparks mit begehbaren Motiven beliebter Gemälde als Attraktionen möglicherweise eine Marktlücke darstellen.
Bis Die Toteninsel für die Seebüne der Bregenzer Festspiele nachgebaut wird, ist es wohl nur eine Frage der Zeit. Für die diesjährige Inszenierung der Oper André Chénier wurde mit Der Tod des Marat von Jacques-Louis David erstmals ein historisches Gemälde als Vorlage verwendet. Der Bühnenbildner David Fielding spielt dabei zudem mit dem Toteninsel-Effekt. So schreibt Gerhard R. Koch in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zur Tribunalszene, dass der Sensenmann umgehe und als Fährmann fungiere: “Böcklins ‘Toteninsel’ liegt im Bodensee.” [1]
Die Minimal-Art-Version der Toteninsel ist beziehungsweise war die Arteplage für die Schweizerische Landesausstellung Expo.02 von Jean Nouvel. Gemäss dem Motto “Augenblick und Ewigkeit”, stand, mit den Worten von Martin Heller, dem künstlerische Direktor der Expo.02, “der Monolith wie ein Vorposten der Ewigkeit im See vor Murten”. Auf den ersten Blick ein massiver Kubus, handelt es sich bei dem Würfel aus rostendem Stahl doch wie das Bühnnenbild in Bregenz bloss um ephemere Architektur. In einem Interview verweist Heller selbst auf die mit ihm verbundenen Widersprüche:
Jean Nouvel bezieht sich offen auf die “Toteninsel” von Böcklin, und ein verkitschteres Kunstwerk als diese “Toteninsel” gibt es kaum. Darum glaube ich: Diese Ästhetik wirkt durch die Art und Weise, wie sie gemacht ist und wie sie durchsetzt ist mit den Banalitäten des Festes – die Restaurants darin werden von einzelnen Konzessionären geführt, die sich nicht alle auf Jean Nouvel trimmen lassen. [2]
Bild Bregenz: Bregenzer Festspiele, Bild Murten: Roland Zumbühl, picswiss.ch.
- Gerhard R. Koch, Aufs Rad der Fortuna geflochten, 25. Juli 2011. [↩]
- Ludwig Hasler, Interview mit: Martin Heller, Persönlich, Mai 2002. [↩]
Monsalvat Verlag
Das angekündigte Büchlein über die Illustrationen für eine Preisliste der Farbenfabrik Günther Wagner, die Fidus 1904 in Zürich gezeichnet hat, ist eigentlich bereit zum Druck. Doch im letzten Moment habe ich mich entschlossen, es nicht bei Books on Demand zu veröffentlichen.
Zum einen konnte ich mir keine Klarheit verschaffen in Bezug auf die Qualität. Die Diskussionen im Internet darüber sind widersprüchlich. Die einen sind begeistert, die anderen ärgern sich über den schlechten Druck, falsch zusammengesetzte Bücher oder die mangelhafte Klebung.
Zum andern, und das war letztlich ausschlaggebend, ist der Vertrag mit Books on Demand äusserst problematisch. So muss der Autor oder die Autorin beisdpielsweise Books on Demand das Recht einräumen, einen Titel “unter Wahrung der nicht abdingbaren Urheberpersönlichkeitsrechte zu kürzen, zu bearbeiten oder in sonstiger Weise umzugestalten, z. B. für die Herstellung von ‘abstracts’ (Kurzzusammenfassungen und -beschreibungen) und für die Herstellung von ‘enhanced ebooks’ (um multimediale und interaktive Elemente angereicherte E-Books).” [1] Was die Zusammenfassungen und Beschreibungen betrifft, ist die Vertragsklausel harmlos und nachvollziehbar, abgesehen davon, dass sie wahrscheinlich sowieso erlaubt sind, bei den “enhanced ebooks” als interessante zukünftige Entwicklung geht sie entschieden zu weit.
Ich habe mich deshalb entschlossen, die Publikation selber herauszubringen. Das und mein Bedürfnis, nachdem ich 25 Jahre als Mitarbeiter in der Bibliothek und im Archiv der Forschungsabteilung eines Industribetriebs meinen Lebensunterhalt verdient habe, meinen nebenberuflichen Beschäftigungen eine offizielle Form mit Handelsregistereintrag, Website und Visitenkarten zu geben, hat dazu geführt, dass ich den Kleinverlag Monsalvat gegründet habe (weitere Informationen dazu sind unter Monsalvat Verlag zu finden).
Das Fidus-Büchlein, das erste in einer Reihe von Veröffentlichungen, die sich mit dem Werk des Künstlers beschäftigen sollen, erscheint nun im August oder spätestens im September.
- Der gut versteckte Vertrag ist zu finden unter http://www.bod.de/hilfe.html?cmd=CONTENT&pid=937&title=vertraege. [↩]
Kehrtwendung
Derzeit werden die letzten Korrekturen am ersten Bändchen der Fidus-Reihe vorgenommen. Im Mai sollte es bei Books on Demand erscheinen. Es beschäftigt sich mit den Illustrationen, die Fidus 1904 in Zürich für eine Preisliste der Farbenfabrik Günther Wagner gezeichnet hat.
Bereits steht das Thema der zweiten Publikation der Reihe fest. Sie ist Fidus und dem Monte Verità gewidmet. Im Zusammenhang mit der Arbeit daran wird das Fidus-Projekt eine Kehrwendung machen und sich wieder mit dem Monte Verità und seiner Geschichte beschäftigen.




