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Kleiner Nachtrag zu “L’Europe des esprits III”
Immerhin hat sich das Zentrum Paul Klee die Kritik im Vorfeld der Übernahme der Strassburger Ausstellung zu Herzen genommen und nachgebessert. So wird beispielsweise zum Bild Homme à genoux (Apocalypse) von Vladimir Baranoff-Rossiné mehr zu erfahren sein als die lakonischen biographische Angaben, dass er 1888 in Cherson in Russland geboren und 1945 in Auschwitz gestorben sei.
Davon abgesehen bleibt aber weiterhin rätselhaft, was es mit dem Bild oder dem Künstler im Zusammenhang mit dem Ausstellungsthema auf sich hat.
L’Europe des esprits III
Immerhin bemerkt Joëlle Pijaudier-Cabot in ihrem Beitrag zu Mary Wigmann:
La démesure messianique qu’elle partageait avec Laban devait les entraîner tous deux plus tard vers des funestes dérives totalitaires.
Warum sie Fidus, den sie im nächsten Abschnitt behandelt und der dafür nicht weniger anfällig war, dieses Urteil erspart, bleibt schleierhaft.
Wie denn überhaupt das Dritte Reich und sein Okkultismus oder Okkultismus-Ersatz und -Kitsch in der Ausstellung kein Thema sind. Erschreckend, wenn auf dem Täfelchen unter dem Bild Homme à genoux (Apocalypse) von Vladimir Baranoff-Rossiné, aufgehängt in einer Nische im Raum mit den Bildern von Ferdinand Hodler und dem Lichtgebet von Fidus, als biographische Angaben nur gerade vermerkt ist, dass er 1888 in Cherson in Russland geboren und 1945 in Auschwitz gestorben sei. Als gäbe es dazu nichts zu erklären. Davon abgesehen bleibt rätselhaft, was es mit dem Bild oder dem Künstler im Zusammenhang mit dem Ausstellungsthema und den übrigen Werken im Raum auf sich hat. Der Katalog liefert dazu nur Allgemeinplätze:
N’imaginons pas l’époque comme irreligieuse. [...] Certains croyants se fondent sur textes sacrés pour prédire la venue d’une apocalypse: peinture de Vladimir Baranoff-Rossiné, philosophie millénariste de Vladimir Soloviev, poèmes de L’Étoile d’alliance (1913) de Stefan George, où se profile un futur viril et inquiétant – “et tout le reste est nuit et néant”, résume le poète allemand. [1]
- Serge Faucherau, “L’intervention des esprits”, S. 155 und S. 163. [↩]
L’Europe des esprits II
Im Katalog wird die Beziehung zwischen den gezeigten Bildern von Ferdinand Hodler und Fidus eher ver- als erklärt. Sie behandelt ausgerechnet oder auch eher zufälligerweise das Kapitel über den Tanz von Joëlle Pijaudier-Cabot, Direktorin der Strassburger Museen, das mit dem Laban-Zitat “In jedem Menschen lebt ein Tänzer” überschrieben ist (übersetzt mit einer etwas anderen Nuance: “En tout homme vit un danseur”).
Was Hodler betrifft bleibt es beim knappen Hinweis auf die Freundschaft mit Emile Jaques-Dalcroze, der ihn zu seinen “figures dansants” inspiriert habe. Daran ist nichts Falsches. Doch im Zusammenhang mit den gezeigten Bildern, die eben gerade keine im herkömmlichen Sinn tanzenden, sondern statische Figuren zeigen, sehr verkürzt. Doch auch abgesehen davon bleibt offen, inwiefern Hodlers Darstellungen des körperlichen Ausdrucks von Empfindungen mit Geistern oder dem Okkulten zu tun haben.
Von Jaques-Dalcroze wird der Bogen über die Künstlergruppe “Die Brücke”, Rudolf Steiner und die Eurythmie zu Rudolf von Laban, Mary Wigman, Sophie Taeuber-Arp, dem Monte Verità und dem Sonnenfest dort im Sommer 1917 gespannt (zum Sonnenfest vgl. Otto Borngräber). Um am Schluss des Beitrags noch Fidus ins Spiel zu bringen:
Le peintre Fidus résida aussi à Monte Verità. Adepte des mouvements de “réforme de la vie”, il y célèbre des jeunes corps exposés à la lumière solaire. Il avait peint, autour de 1910, la suite du Temple de la Danse, ode à un art auquel tous les artistes ici évoqués ont attribué le pouvoir de changer la vie.
Daran stimmt einiges nicht und zeigt die oberflächliche Beschäftigung mit dem Thema. Darauf, dass Fidus wahrscheinlich nur wenige Tage auf dem Monte Verità war und sich während seinem Aufenthalt nicht künstlerisch betätigt hat, wurde wiederholt hingewiesen (vgl. beispielsweise Kein bleibender Eindruck). Und sein Sonnengebet auf die Verherrlichung des jungen Körpers, der dem Sonnenlicht ausgesetzt ist, zu reduzieren, wird der Vielschichtigkeit oder Vieldeutigkeit des einfachen Motivs kaum gerecht. Schliesslich ist der Titel der vierteiligen Serie von Tanzfiguren weder Temple de la Danse noch Danse du Temple de l’Esprit, wie er als Bildlegende zweideutig übersetzt ist, sondern Tempeltanz der Seele. Und: Auch hier bleibt offen, was dieser und das Lichtgebet mit Geistern oder dem Okkulten zu tun haben.



