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“Bring light to the hidden things of darkness”
Für die Theosophie war Luzifer als Lichtträger oder -bringer die Verkörperung von Vernunft, Aufklärung und Fortschritt und damit ihrer Lehre.
Helena Petrovna Blavatsky, 1875 Mitbegründerin der Theosophischen Gesellschaft in New York und als solche eine ihrer führenden Persönlichkeiten, und Mabel Colins gaben ihrer Zeitschrift, die erstmals Mitte September 1887 in London erschien, den programmatischen Titel Lucifer. [1] Dieser wurde ergänzt mit dem Motto “Bring light to the hidden things of darkness”. Dabei handelt es sich um eine Stelle in einem Satz aus dem erstem Brief an die Korinther, der in der Übersetzung der Luther-Bibel lautet: “Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr komme, welcher auch wird ans Licht bringen, was im Finstern verborgen ist, und den Rat der Herzen offenbaren; alsdann wird einem jeglichen von Gott Lob widerfahren.”
Zusäztlich enthielt das Titelblatt der Zeitschrift ein Zitat aus dem damals populären Werk History of Christian Names von Charlotte Mary Yonge zur Bedeutung des Namens: “Lucifer is no profane or Satanic title. It is the Latin Luciferus, the light-bringer, the morning star, equivalent to the greek φωσφορος … the name of the pure pale herald of daylight.” [2]
- Digitalisat der Zeitschrift: Lucifer. [↩]
- “Lucifer ist keine gottlose oder teuflische Bezeichnung. Es ist ist das Lateinische Luciferus, der Lichtbringer, der Morgenstern, entsprechend dem Griechischen Phosphoros….. Es ist der Name des reinen fahlen Botens des Tageslichts.” Charlotte Mary Yonge, History of Christian Names, London 1863, S. 289. Online: History of Christian Names. Im Register der überarbeiteten Auflage des Buchs, die 1884 erschienen ist, ist Lucifer zwar aufgeführt, der entsprechende Passus fehlt aber. Online: History of Christian Names. [↩]
Im Tempel des Lucifer
Der skulpturale Aspekt der Lucifer-Figur, der die beliebige Drehung im Raum erlaubt, und damit das Zusammengehen von Malerei und Plastik, findet ihre Fortsetzung oder Entsprechung in den Tempelentwürfen von Fidus. Die gezeichnete An- und Einsichten meinen letztlich Architektur, die wiederum den Rahmen für Bildwerke und Plastiken darstellt.
Im selben Jahr, in dem Der verlorene Sohn in der Zeitschrift Sphinx erschien (vgl. Die Arme in bitt’rer Ruh’ verschränkt), 1892, zeichnete Fidus die Fassade eines Lucifer-Tempels. Zwei Jahre später entwarf er einen Innenraum eines Lucifer-Tempels, den er als “mein frühestes Tempelinnere” bezeichnet.
Im Gegensatz zum Grollenden Lucifer präsentiert sich die monumentale Jünglinsstatue in der düsteren Tempelhalle frontal und mit ausgebreiteten Armen. Sie steht auf einer (Welt-)Kugel, über die sich eine Schlange windet. Umgegeben ist sie von einer Aura, die sowohl einen Lichtkreis darstellt wie sie eine verdeckte Sonnenscheibe meinen könnte. Auf seinem Haupt funkelt ein Stern: Traditionellerweise wird Luzifer mit dem Morgenstern in Verbindung gebracht. [1]
Intermezzo: “Am grosse Gitter”
Die allgemein verständliche, rührend naive und damit immer wieder fast banale Bildsprache von Fidus kann bei aller beabsichtigten Zeitlosigkeit mitunter auch surreale Szenarien der 1920er und 1930er Jahre vorwegnehmen… Am grossen Gitter von Fidus ist 1905 in der Jugend erschienen. [1]
- Jugend, 1905, Bd. 1, Nr. 17, S. 309. Online: Das grosse Gitter. [↩]





