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Besuch im Santuario d’Arte Elisarion
Ein weiterer Aufenthalt von Fidus im Tessin hat wahrscheinlich 1933 stattgefunden.
Antje von Graevenitz bemerkt in einer Fussnote zu ihrem Beitrag “Hütten und Tempel: Zur Mission der Selbstbestimmung” für das Katalogbuch Monte Verità. Berg der Wahrheit von Harald Szeemann, dass Fidus zusammen mit seiner Frau Elsbet und Gertrud Prellwitz Anfang der 1930er Jahre das Santuario d’Arte Elisarion von Elisàr von Kupffer in Minusio bei Locarno besucht habe, wie Einträge ins Gästebuch belegen würden. [1]
Auf Nachfrage antwortete der Kurator des Centro Elisarion leider, dass das Gästebuch verschwunden sei, und er keine Ahnung habe, wo es sein könnte.
Möglichwerweise wurde der Gästebucheintrag oder ein Teil davon in der Ausgabe 1927-1937 der Broschüre des Santuario mit begeisterten Stimmen von Besuchern und Besucherinnen verwendet, wo Fidus zitiert wird: “Schon das erste Schauen hier hat mich frohgemacht.”
Fidus machte im Frühling 1933 eine Vortragsreise durch verschiedene Schweizer Städte. Ob er damals auch im Tessin war, lässt sich derzeit allerdings nicht belegen.
- S. 97, Anm. 103. [↩]
Madonna del Sasso
Die Behauptung, dass keine Zeichnungen oder Skizzen des Besuchs von Fidus auf dem Monte Verità erhalten sind, stimmt vielleicht nicht (vgl. Kein bleibender Eindruck). Es ist nämlich möglich, dass das Aquarell Madonna del Sasso, das im Katalog Erste Gesamtausstellung der Werke von Fidus aus dem Jahre 1928 aufgeführt ist, im Zusammenhang mit dem oder einem Aufenhalt auf dem Monte Verità entstanden ist. Wobei sich die Frage stellt, ob das Blatt wie im Verzeichnis angegeben 1906 oder vielleicht nicht doch erst 1907 entstanden ist. Da über den Verbleib des Aquarells nichts bekannt ist, kann nicht nur das Datum nicht verifiziert werden, sondern muss auch offen bleiben, ob die Wahlfahrtskirche selbst bei Locarno wiedergegeben ist, was für Fidus ungewöhnlich wäre, oder es sich um eine dort entstandene Landschaftsstudie handelt.
Mit der Möglichkeit, dass Fidus vielleicht doch schon 1906 auf dem Monte Verità war oder zumindest in Locarno, stellt sich auch die Frage, ob das photographische Porträt von Franz Jacob Hering möglicherweise doch bereits 1906 enstanden ist (vgl. Neuangekommene des Sanatoriums Monte Verità).
Nicht ganz verständlich ist eine Bemerkung von Fidus, der Hering im Zusammenhang mit der “Zukunftsehe” neben John Humphrey Noyes und Alice Stockham erwähnt. [1] Fidus schreibt: “Unauffindbar blieb mir der Magnetopath J. E. [sic!] Hering, der in Konstanz, Zürich, Lugano und Basel wohnte und 1903 ein Schriftchen ‘Liebe oder Ehe?’ selbst verlegte.” Unklar ist, ob Fidus damit die Veröffentlichung meint, zumal er im folgenden Satz bedauert: “Es ruht wie ein Verhängnis der Verschollenheit über diesem Schrifttum, wenigstens für uns Deutsche.” Oder ob er Hering selbst meint, zu dem er den Kontakt verloren hat, nachdem er ihm persönlich begegnet sein muss, wenn dieser tatsächlich der Urheber des Fidus-Porträts aus dem Jahre 1906 oder 1907 ist.
- Fidus, “Vom Schrifttum der Zukunftsehe”, in: Zukunftsehe = Die Schönheit, 21. Jahrg., 1925, Heft 3, S. 157. [↩]
L’Europe des esprits II
Im Katalog wird die Beziehung zwischen den gezeigten Bildern von Ferdinand Hodler und Fidus eher ver- als erklärt. Sie behandelt ausgerechnet oder auch eher zufälligerweise das Kapitel über den Tanz von Joëlle Pijaudier-Cabot, Direktorin der Strassburger Museen, das mit dem Laban-Zitat “In jedem Menschen lebt ein Tänzer” überschrieben ist (übersetzt mit einer etwas anderen Nuance: “En tout homme vit un danseur”).
Was Hodler betrifft bleibt es beim knappen Hinweis auf die Freundschaft mit Emile Jaques-Dalcroze, der ihn zu seinen “figures dansants” inspiriert habe. Daran ist nichts Falsches. Doch im Zusammenhang mit den gezeigten Bildern, die eben gerade keine im herkömmlichen Sinn tanzenden, sondern statische Figuren zeigen, sehr verkürzt. Doch auch abgesehen davon bleibt offen, inwiefern Hodlers Darstellungen des körperlichen Ausdrucks von Empfindungen mit Geistern oder dem Okkulten zu tun haben.
Von Jaques-Dalcroze wird der Bogen über die Künstlergruppe “Die Brücke”, Rudolf Steiner und die Eurythmie zu Rudolf von Laban, Mary Wigman, Sophie Taeuber-Arp, dem Monte Verità und dem Sonnenfest dort im Sommer 1917 gespannt (zum Sonnenfest vgl. Otto Borngräber). Um am Schluss des Beitrags noch Fidus ins Spiel zu bringen:
Le peintre Fidus résida aussi à Monte Verità. Adepte des mouvements de “réforme de la vie”, il y célèbre des jeunes corps exposés à la lumière solaire. Il avait peint, autour de 1910, la suite du Temple de la Danse, ode à un art auquel tous les artistes ici évoqués ont attribué le pouvoir de changer la vie.
Daran stimmt einiges nicht und zeigt die oberflächliche Beschäftigung mit dem Thema. Darauf, dass Fidus wahrscheinlich nur wenige Tage auf dem Monte Verità war und sich während seinem Aufenthalt nicht künstlerisch betätigt hat, wurde wiederholt hingewiesen (vgl. beispielsweise Kein bleibender Eindruck). Und sein Sonnengebet auf die Verherrlichung des jungen Körpers, der dem Sonnenlicht ausgesetzt ist, zu reduzieren, wird der Vielschichtigkeit oder Vieldeutigkeit des einfachen Motivs kaum gerecht. Schliesslich ist der Titel der vierteiligen Serie von Tanzfiguren weder Temple de la Danse noch Danse du Temple de l’Esprit, wie er als Bildlegende zweideutig übersetzt ist, sondern Tempeltanz der Seele. Und: Auch hier bleibt offen, was dieser und das Lichtgebet mit Geistern oder dem Okkulten zu tun haben.


