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Kein bleibender Eindruck
Erstaunlich ist, dass keine Zeichnungen oder Skizzen des Besuchs von Fidus auf dem Monte Verità erhalten sind. Vielleicht nicht Landschaftsstudien aber Blätter, die mit Ort und Datum bezeichnet sind.
Das Fehlen des Monte Verità im Werk von Fidus legt die Schlüsse nahe, dass er sich nicht lange dort aufgehalten haben wird und/oder nicht als Künstler dort war, sondern nur Besucher, und schliesslich dass der Aufenthalt keinen (auch buchstäblich) bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Jedenfalls damals nicht, denn später mystifizierte Fidus den Monte Verità hemmunsglos (worauf noch zurückzukommen sein wird).
Die Sache ist vielleicht komplizierter. Möglicherweise stand Gusto Gräser ihm im Weg, oder Fidus bildete sich das ein, nachdem er ihn zum Vorwand gemacht hatte, Amden zu verlassen (vgl. Heiliges Gemeinschaftsmal mit Wurst und Schinken ). Als er sich 1907 in Ascona aufhielt, war Gusto nicht dort (vgl. Indessen sein Erbauer auf Reisen gegangen). Vielleicht hat Fidus den Zeitpunkt für seinen Besuch durchaus mit Bedacht gewählt.
Auch wenn Fidus auf dem Monte Verità hätte bauen können oder zumindest ein Atelier einrichten, stellt sich die Frage, ob das Leben dort seinen Vorstellungen entsprochen hätte. Im Zusammenhang mit dem Aufenthalt in Amden bemerkt Fidus, dass die “bürgerlichen Ansprüche” seiner Frau zu Reibereien geführt hätten. Vergleichbare bürgerliche Ansprüche dürfte er allerdings auch selber gehabt haben. Und besonders die Nähe zur Weltstadt Berlin oder wenigstens der Kunstmetropole München dürfte ihm gefehlt haben (Zürich bezeichnete er als “gewissermassen Weltstadt”, deren leichte Erreichbarkeit von Amden er schätzte). Wobei auch Woltersdorf nicht Berlin ist, die Siedlung aber einen Kompromiss zwischen Lebensreform-Experiment und bürgerlichem Eigenheim-Traum darstellt.
Jetzt erschienen: Fidus-Serie
Endlich ist sie erschienen: Die Publikation zu den von Fidus 1904 in Zürich gezeichneten Illustrationen für die Günther Wagner (heute Pelikan).
Das Büchlein im Format 16 x 22 cm hat 128 Seiten und enthält zahlreiche farbige und schwarzweisse Abbildungen.
Weitere Informationen und Bestellungen unter Fidus-Serie.
Anfällig für virtuelle Versprechen
Es scheint, dass die Kulturverantwortlichen von Zürich besonders anfällig für virtuelle Versprechen sind. Insbesondere, wenn damit etwas Geschichte und viel Grossstadtflair als Gegenwart in die Zukunft projiziert werden kann.
So wurde vor einem Jahr den Stimmbürgern und Stimmbürgerinnen der Stadt Zürich eine eher bescheidene Fingerübung der Architekten Thomas Demand und Caruso St John für stolze 5,9-Millionen-Franken, ausgerechnet im Trend-Quartier Zürich West, als nicht nur künstlerisch, sondern auch politisch bedeutungsvolles “Nagelhaus” mit Bildern aus dem Computer “verkauft” (derweil dort ein Brunnen der Zürcher Künstlerin Annemie Fontana weggeräumt und bis heute nicht wieder installiert worden ist). [1] Zu offensichtlich war, dass sie nicht der unwirtlichen Situation des zum Platz stilisierten Gewirrs von Strassen, Tram- und Eisenbahnschienen unter der mehrspurigen Strassenbrücke entsprachen. Das Projekt wurde mit 51,3 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt.
Ein ähnliches Schicksal droht dem Projekt, einen Hafenkrans am Zürcher Limmatquai aufzustellen. Ein Unternehmen, für das die Stadt insgesamt 600 000 Franken aufwenden will. Ob es sich bei dem “Panoramafoto Limmatquai mit Hafendrehkran”, wie die Legende die vielleicht mit der Installation auch thematisierte “Verdrehung” von Über- und Rundsicht paraphrasiert, tatsächlich um eine Fotomontage im klassischen Sinn handelt, ist nicht auszumachen. Jedenfalls kommt bei der Zukunfsvision, die an die Tradition des magischen Realismus der Architektur- und Industriephotographie anknüpft, die gediegene Schwarzweiss-Ästhetik vergangener Tage zum Zuge.
Damit präsentiert sich das Projekt als eigentlich bereits überlebt. Das mag ironisch gemeint sein, ist es aber vielleicht nicht, wenn der Hafenkran nicht montiert werden sollte, vielleicht gerade auch weil die Surrealität seiner realen Erscheinung am gewählten Ort und damit der künstlerische Moment durch die Visualisierung (vor-)weggenommen und auf ein banales Gedankenspiel reduziert worden sind.
- Zu Annemie Fontana beispielsweise Annemie Fontana – Fontana-Gränicher Stiftung. [↩]





