Diefenbach in München (Fortsetzung)
Und was gibt es Erfreuliches oder zumindest Interessantes über die Diefenbach-Ausstellung zu berichten?
Diefenbach, das jedenfalls suggeriert die Ausstellung, war weder ein begnadeter Zeichner noch Maler, sondern vor allem auf Effekte mit Formen, Farben und Kontrasten bedacht. Malerei war für ihn das Mittel zur Inszenierung von ebenso naiven wie kitschigen Paradiesvorstellungen. So ist das von ihm offensichtlich bevorzugte “Breitleinwandformat” ebenso willkürlich gewählt wie die dramatischen Hell-Dunkel-Kontraste nichts anderes sind als ein variiertes oder auch nur repetiertes Muster, um Spannung zu erzeugen, während sich die Motive auf wenige Versatzstücke beschränken, immer wieder bedrohliche Küstenfelsen und abenteuerliche Grotten, aufgewühltes Meer, nymphenartige Frauengestalten, allerhand Getier, darunter Vögel und Wild, auch eine Schlange und ein Löwe, geheimnisvolle Sphinx-Figuren. Einblick in die Arbeit an den Werken etwa mit Skizzen und Studien, wenn es denn solche gegeben hat oder sie noch erhalten sind, wird nicht gezeigt. Dadurch wird der Charakter des Visionären und Unantastbaren noch verstärkt.
Diefenbach, so scheint es, war eher ein gewiefter Selbstdarsteller als eine Künstlerpersönlichkeit. Seine Bilder waren ebenso Teil seiner Selbstinszenierung wie sein damals ungewöhnliches Auftreten. Doch werden gerade in ihnen Widersprüche deutlich. Etwa der, zwischen dem Selbstverständnis als Verkünder einer besseren Welt, der damit fast zwangsläufig gegen die bürgerliche Gesellschaft revoltiert, und der Malerei als konventionelle Gattung der Repräsentation und Unterhaltung. Auch in der Ausstellung fehlt es seinen Anliegen wie etwa “freie Liebe”, Vegetarismus und damit Tierschutz an Glaubwürdigkeit. Ob dies an der Auswahl der Exponate oder an Diefenbach selbst liegt?
Dass bei Diefenbach Kunst immer die Aura der Inszenierung hat, etwas Aufgesetztes mag sich auch aus seinem Werdegang erklären. Bevor er an der Akademie der bildenden Künste in München studierte, hatte er Anstellungen beim Hoffotografen Albert und der bekannten fotografischen Anstalt Hanfstaengl. Und Fotografien verwendete er als Vorlagen für einige seiner Bilder. Deutlich wird seine Haltung gegenüber der Fotographie in der Diskrepanz zu derjenigen von Fidus. Dieser nämlich lehnte die Fotographie entschieden ab, weil er es als besser erachtete, mit eigener Hand einprägsame Studien zu machen, als mit einem Apparat oberflächliche, und zudem es vorzog, “aus dem Stegreife” zu arbeiten (vgl. Impressionismus der Empfindung).
So könnte es beispielsweise ein Verdienst dieser Ausstellung sein, Diefenbach vielleicht wider Willen entmystifiziert zu haben.


