Karl Wilhelm Diefenbach (Schluss)
Eine Affinität zur Fotographie oder gar zum (Trick-)Film kann auch in dem schattenriss- oder scherenschnittartigen Fries Per apera ad astra und de graphischen Blättern von Karl-Wilhelm Diefenbach gesehen werden, wenn sie denn von ihm sind. [1] Es ist der Gegensatz zwischen der Reduktion auf Schwarz und Weiss und damit Abstraktion einerseits und der minutiösen Ausarbeitung von Details andererseits, der wesentlich zu ihrem Reiz beiträgt, bei den Gemälden aber platt und unmotiviert wirkt. So erscheinen das erwähnte “Breitleinwand” als missverstandenes Friesformat, die Figuren als pathetisch aufgeblasene Kopien der grazilen Silhouetten. Dazu kommt bei den Schwarzweiss-Arbeiten der Spannungsbogen, der bei Per apera ad astra in der Bewegung und über den ganzen Fries ausgebreiteten “Erzählung” des Festzugs mit zahlreichen “Anekdoten” liegt, bei den zwei Serien Göttliche Jugend in der Aneinanderreihung verschiedener “Momentaufnahmen”.
Zwar ist Per aspera ad astra ein eigener Raum gewidmet, doch werden die Serien, die wie der Fries durch Postkarten-Serien bekannt geworden sind, in der Ausstellung nur nebenbei berücksichtigt. Allein ihre direkte Konfrontation mit Diefenbachs Malerei lassen die Frage aufkommen, ob der Anteil von Fidus an ihnen nicht vielleicht grösser ist, als angenommen wird. [2]
- Ein hübsche Flash-Animation des Frieses ist unter Per Aspera ad Astra zu sehen. [↩]
- Eine umfangreiche Dokumentation zu Diefenbach findet sich auf der Gusto-Gräser-Website unter Karl Wilhelm Diefenbach (1851-1913), ein Beitrag zur Ausstellung des Kulturmagazins Capriccio des Bayerischen Fernsehens vom 5. November 2009 findet sich unter Karl Wilhelm Diefenbach in der Villa Stuck. [↩]


