Der Mythos von den Tempeln auf dem Monte Verità
Wiederholt wurde die Vermutung geäussert, dass Fidus oder Henri Oedenkoven, Mitbegründer und Mitbesitzer der Siedlung und des Sanatoriums Monte Verità, mit dem Gedanken gespielt hätte, einen oder mehrere Tempel auf dem Hügel bei Ascona zu errichten.
Begründet hat den Mythos wahrscheinlich die Ausstellung Monte Verità. Berg der Wahrheit. Lokale Anthropologie als Beitrag zur Wiederentdeckung einer neuzeitlichen sakralen Topographie von Harald Szeemann 1978/79 im Kunsthaus Zürich beziehungsweise der Katalog dazu.
In ihrem Beitrag “Hütten und Tempel: Zur Mission der Selbstbesinnung” behauptet die Kunsthistorikerin Antje von Graevenitz: “Da Fidus sich als Künstler der Lebensreform verstand, ‘riss’ man sich in Amden und auf dem Monte Verità geradezu darum, ihn für sich zu gewinnen.” [1]
Und sie führt aus:
Josua Klein lud Fidus 1903 ein, um seine drei Tempel auf der Anhöhe der theosophische Kolonie auf dem Grappenhof bei Amden zu errichten. Offensichtlich hatte man sich auf dem Monte Verità Ähnliches gewünscht, denn Henri Oedenkoven bedauerte auf einer Karte an Fidus vom 29. Dezember 1908: “Sehr gerne hätten wir hier das Atelier bauen sehen.”
Auch der Kunstkritiker und -theoretiker Theo Kneubühler phantasiert in seinem Katalogtext über Künstler und Künstlerinnen, Schriftsteller und Schriftstellerinnen und das Tessin über Tempelpläne. Er bemerkt, Fidus habe im Sommer 1907 den Monte Verità besucht und sich kurze Zeit dort aufgehalten: “Wahrscheinlich versuchte er zu überprüfen, wie weit eine Tempelidee dort sich realisieren liesse.” [2] Wie er zu dieser Annahme gelangte, bleibt offen.
- Monte Verità. Berg der Wahrheit. Lokale Anthropologie als Beitrag zur Wiederentdeckung einer neuzeitlichen sakralen Topographie, Agentur für geistige Gastarbeit, Harald Szeemann, Civitanova Marche, Tegna und Milano 1978, S. 93. Vgl. Auf dem Hügel der Vegetarier. [↩]
- Ebda., S. 142 f. [↩]
Letzte Änderung: 5. Januar 2012
Freundschaft verbindet
“Versteckt” ist derzeit auch Fidus beziehungsweise das Fidus-Haus in Woltersdorf. Obwohl letzteres bunt saniert nicht zu übersehen ist. Nur findet sich kein Hinweis, dass es sich seit 1907 um das Wohn- und Werkhaus von Fidus handelt.
Für Aussenstehende eigenartig ist die Nische an der Strasse zwischen dem Grundstück mit dem Fidus-Haus und dem im Gegensatz zu diesem hinter Bäumen und Büschen versteckten Häuschen von Arno Rentsch mit einem Gedenkstein für den Flugpionier Martin Haller, der seit 1945 im Rentsch-Haus lebte.
Zwei Anschlagkästen enthalten Informationen zu Haller und Rentsch. Zwar wird bei Haller erwähnt, dass er stets eine enge Verbindung zum benachbarten Fidus-Haus gepflegt habe, bei Rentsch, dass er und seine Frau Elsa 1906 Fidus dafür begeistert hätten, das Nachbargrundstück zu bebauen. Und unter zwei Fotos, eines von Fidus und Rentsch, das andere von Haller, ist “Freunschaft verbindet” zu lesen. Doch mehr ist über Fidus und den Ort nicht zu erfahren.
Letzte Änderung: 27. November 2011
Fidus-Denkmal soll wieder zugänglich werden
Das Denkmal von Fidus in Woltersdorf für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten soll, wie die Märkische Oderzeitung meldet (Nutzungsvertrag für Woltersdorfer Fidus-Denkmal geplant), wieder zugänglich gemacht werden. Das teilweise stark verwitterte Denkmal steht auf einem privaten, wild bewachsenen Grundstück.
Derzeit entwirft die Gemeinde ein Nutztzungsvertrag mit Armin Schramm als Vertreter der Immobilien Beteiligungs- und Vertriebsgesellschaft der Bankgesellschaft Berlin mbH (IBV). Die IBV, hinter der ausser Schramm auch, “jüdische Alteigentümer”, wie es etwas gewunden heisst, stehen, hat das Areal des ehemaligen VEB Elektromechanische Werkstätten, der für seine Delta-Lötkolben bekannt war, 2007 bei einer Zwangsversteigerung erworben.
Die Einigung zwischen dem Bürgermeister Rainer Vogel und Schramm hat allerdings auch zu Misstönen oder vielleicht Missverständnissen geführt. So soll Vogel nämlich den Woltersdorfer Verschönerungsverein (WVV), der bereits früher Sicherungsmassnahmen am Denkmal durchführte, übergangen haben. Und die Frage wird aufgeworfen, ob er ihn durch den im April dieses Jahres gegründeten Verein “Kulturhaus Alte Schule” e. V. ersetzen will (Fidusdenkmal – Bauausschuss – Okt 2011 im Blog Das Journal).
Bild: Marcus Cyron, Wikimedia Commons.
Letzte Änderung: 26. November 2011
Mit Nouvel schliesst sich der Kreis zu Fidus
Mit Jean Nouvels Monolith (vgl. Ein verkitschtes Kunstwerk und Zeit und Ewigkeit als Waren) schliesst sich der Kreis zu Fidus. Auch sein ebenfalls als Kubus entworfener Tempel der Erde sollte von Wasser umgeben sein. Wie sich Fidus die Umgebung des Baus genau vorgestellt hatte, bleibt allerdings unklar.
Klarheit, wo Tempel der Erde und andere Bauten erstellt werden sollten, hatte dagegen Josua Klein, der Fidus 1903 in seine Siedlungsgemeinschaft nach Amden eingeladen hatte und ihm die entsprechenden Plätze zeigte. In seinen Kleinen Lebenserinnerungen schreibt Fidus:
Z. B. sollte der würfelförmig aus dem heiligen Wasser steigende Tempel der Erde unten am See vor einer kleinen Strandspitze “Bätlis” des sonst steil abfallenden Ufers aufragen. Der “Tempel der eisernen Krone” sollte, meinem Enwurfe gemäß an einer Berglehne unter Amden liegen, der Tempel der Tat, ähnlich entsprechend, an einer hohen, steilen Bergkanzel, die nach Weesen hinunter “drohte”. Auf der sanft ansteigenden aber Abhang umdröhten Bergstraße von Weesen herauf sollte ich auf halber Höhe auf dem Felsvorsprunge eine Ausruh- und Andachtskapelle bauen!
Letzte Änderung: 4. November 2011
Jetzt erschienen: Fidus-Serie
Endlich ist sie erschienen: Die Publikation zu den von Fidus 1904 in Zürich gezeichneten Illustrationen für die Günther Wagner (heute Pelikan).
Das Büchlein im Format 16 x 22 cm hat 128 Seiten und enthält zahlreiche farbige und schwarzweisse Abbildungen.
Weitere Informationen und Bestellungen unter Fidus-Serie.
Letzte Änderung: 29. Oktober 2011








