Henckell, Karl
Karl Friedrich Henckell, * 17. April 1864 in Hannover, † 30. Juli 1929 in Lindau am Bodensee, Lyriker.
Nach seiner Schulzeit in Kassel studierte Henckell in Berlin, wo er 1885 seinen ersten Gedichtband veröffentlichte. Danach studierte er in Heidelberg und München.
Nachdem seine sozialkritische Lyrik in Deutschland aufgrund des “Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie” (Sozialistengesetz) verboten wurde, zog er 1886 nach Lenzburg, wo sein Bruder Gustav eine Konservenfabrik aufbaute. Über ihn konnte er im selben Jahr Frank Wedekind die Stelle als Vorsteher des Reklame- und Pressebüros der Firma Maggi & Co. in Kempttal bei Zürich vermitteln.
Vom Sommersemester 1887 bis zum Frühjahr 1890 studierte er in Zürich. [1]
Nach Studienaufenthalten in Mailand, Wien und Brüssel lebte er von 1890 bis 1902 wieder in Zürich und wurde Schweizer Staatsbürger. 1892 lernte er auf dem Friedenskongress in Bern Anny Haaf-Haller, eine Enkelin des Artzes, Dichters, Naturforschers und Magistraten Albrecht von Haller, kennen, die er 1897 in Zürich heiratete.
In Zürich war Henckell Mittelpunkt der “Zürcher Kolonie” exilierter Deutscher, unter ihnen Gerhart Hauptmann und die Brüder Hart, hatte seinen eigenen Verlag und gründete 1887 den Ulrich-Hutten-Bund für “moderne, im öffentlichen Leben stehende Menschen mit sozialem Bewusstsein”. Von Oktober 1895 bis September 1899 gab er in Zürich die Sonnenblumen heraus, für die Fidus regelmässig Illustrationen beisteuerte.
1902 liess er sich in Berlin-Charlottenburg nieder, wo er Vorsitzender der Neuen Freien Volksbühne war. Seit 1908 war er freier Schriftsteller in München.
Seine Gedichte erschienen ausser in seinen Büchern in zahlreichen Zeitschriften, darunter die Zeitschrift Die Waffen nieder, die Berta von Suttner von 1892 bis 1899 veröffentlichte. [2]
Einige seiner Gedichte wurden von Richard Strauss vertont.
Veröffentlichungen
- An die neue Jugend, München 1923. Zum sechzigsten Geburtstag des Dichters. Vorwort von Heinrich Schulz, Staatssekretär im Reichsministerium des Innern. Herausgegeben vom Verband der sozialistischen Arbeiter-Jugend und dem Reichsausschuss für sozialistische Bildungsarbeit, Berlin.
- Weltmusik. Neue Gedichte, München 1918.
- Lyrik und Kultur. Neue Vorträge zu Leben und Dichtung, München und Leipzig 1914.
- Hundert Gedichte. Auswahl des Verfassers, Hesse’s Volksbücherei 903-904, Deutsche Lyriker 15, Leipzig 1914.
- Im Weitergehen. Neue Gedichte, München 1911.
- Weltlyrik. Ein Lebenskreis in Nachdichtungen, München 1910. Online: Weltlyrik.
- Mein Lied, mit Beiträgen von Richard Strauss und Buchschmuck von Fidus, Berlin 1906.
- Deutsche Dichter seit Heinrich Heine. Ein Streifzug durch fünfzig Jahre Lyrik, “Die Literatur”, Sammlung illustrierter Einzeldarstellungen, Berlin 1906. Online: Deutsche Dichter seit Heinrich Heine.
- Aus meinen Gedichten, Berlin 1902. Mit Illustrationen von Fidus.
- Gedichte für das Volk, Zürich, Leipzig, Berlin 1901. Mit Bildschmuck von Fidus.
- Neues Leben. Dichtungen, Zürich 1900. Mit Bildschmuck von Fidus.
- Sonnenblumen, Zürich 1895-1899.
- Gedichte, Zürich und Leipzig 1898. Mit 8 ganzseitigen Illustrationen und zahlreichen Vignetten von Fidus. Online: Gedichte.
- Zwischenspiel, Zürich 1894.
- Buch der Freiheit, Berlin 1893. Online: Buch der Freiheit
- Gedichte [?], Lenzburg 1891.
- Diorama, Zürich und Leipzig 1890.
- Amselrufe, Zürich 1890. Zweite Auflage mit dem Hinweis im Vorwort: “Die ‘Amselrufe’ wurden sofort nach ihrem Erscheinen im März 1888 auf Grund des ‘gemeingefährlichen Gesetzes gegen die Bestrebungen der Sozialdemokratie’ für das deutsche Reich verboten”.
- Strophen, Zürich 1887.
- Poetisches Skizzenbuch, mit einem Vorwort von Heinrich Hart, Minden i. Westf. 1885. Online: Poetisches Skizzenbuch.
Veröffentlichungen als Verleger
- Carl Schuster, Das perspektivische Sehen beim Zeichnen nach der Natur, Verlag von Karl Henckell & Co., Zürich und Leipzig 1898.
- Carl Schuster, Die Oelfarbentechnik der Landschaftsmalerei. Anleitung zum Malen nach der Natur für Anfänger und Dilettanten, Henckell, Zürich 1898.
- Albert Fleiner, Ein Wort über volkstümliche Kunst, K. Henckell, Zürich [1897].
- Leopold Jacoby, Cunita. Ein Gedicht aus Indien, Henckell & Co., Zürich und Leipzig 1896.
Literatur
- – Rolf Selbmann und Red., “Karl Friedrich Henckell”, in: Killy Literaturlexikon. Autoren und Werke des deutschsprachigen Kulturraums, Bd. 5, 2., vollständig überarbeitete Auflage, Berlin und New York 2009, S. 260.
- Rolf Selbmann, “Karl Friedrich Henckell”, in: Literatur Lexikon. Autoren und Werke deutscher Sprache, Bd. 5, Gütersloh und München 1990, S. 211.
- Fritz Hüser, “Karl Friedrich Henckell”, in: Neue Deutsche Biographie, 8, 1969, S. 519 f. Online: Karl Friedrich Henckell.
- “Karl Henckell”, in: Deutsches-Literatur-Lexikon. Biographisches und Bibliographisches Handbuch, 2., vollständig neubearbeitete und stark erweiterte Auflage, 2. Bd., Bern 1953, S. 924 f.
- Karl Friedrich Schmid, Karl Henckell im Spiegel seiner Umwelt. Aufsätze, Briefe, Gedichte, Leipzig 1931.
- Magda Janssen, Karl Henckell, ein Dichterbild, München 1911.
Links
- Karl Henckell, Eintrag in der deutschen Wikipedia.
- Karl Henckell beim Projekt Gutenberg-DE.
- Die gegensätzlichen Brüder – der Großindustrielle und der Sozialrevolutionär, Beitrag von Klaus Kunze.
- Matrikeledition der Universität Zürich, Matrikel-Nummer 7869. [↩]
- Berta von Suttner, Memoiren, Stuttgart und Leipzig 1909. Online: Memoiren. [↩]
Letzte Änderung: 11. März 2012


